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Heimatrecht Politik Vertriebene

Am 29. August: Aufbruch Heimat in Friedland

Am Heimkehrerdenkmal auf dem Hagenberg bei Friedland (Göttingen) findet am 29. August um 13 Uhr eine Kundgebung statt, die 70 Jahre nach der Verkündung der „Charta der Heimatvertriebenen“ das Heimatrecht aller Deutschen proklamiert.

Zugleich wird an die gewaltsame Auflösung der deutschen Wolga-Republik und der Deportation der Deutschen in der UdSSR erinnert.

Verkündet wird die „Erklärung Heimatrecht 2020“, die den Übergang des völkerrechtlichen Anspruchs auf die Enkelgeneration der Vertriebenen feststellt.

Die Erklärung wird von mehreren alternativen Vertriebenenorganisationen unterstützt.

Quelle: Presseaussendung der Veranstalter

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Politik Ungarn Zeitgeschichte

Trianon, Ungarn und Frankreich – Interview mit Nicolas de Lamberterie

Anlässlich des 100. Jahrestages des Vertrags von Trianon, der immer noch seine Schatten auf die Politik Ungarns und Mitteleuropas wirft, interviewte Olivier Bault im Auftrag des französischen Nachrichtenmagazins Présent unseren Kollegen Nicolas de Lamberterie, Schriftsteller und Journalist bei TV Libertés (Paris) und Visegrád Post (Budapest).

– Am 4. Juni 1920 wurde durch die Unterzeichnung des Vertrags von Trianon in Versailles Ungarn zwei Drittel seines tausendjährigen Territoriums entrissen und 3,3 Millionen Ungarn zu Minderheiten im Ausland gemacht. Die Ungarn sollen ihren Gram über diese nach dem Ersten Weltkrieg verhängte Verstümmelung nie verwunden haben. Hat die Mitgliedschaft in der EU das Problem nicht gelöst?

– Sie konnte dieses Problem im Effekt lindern, indem das Reisen erleichtert wurde. Ungarn in Rumänien zum Beispiel sind nicht mehr so eingesperrt wie zu Ceaușescus Zeiten. Die historische Ungerechtigkeit von Trianon ist jedoch nach wie vor verletzend. Die Zwischenkriegszeit war der große irredentistische Moment unter Admiral Horthy gewesen, als 100% der ungarischen Nation für die Revision der Grenzen waren. All dies hat sich am Ende des Kalten Krieges ein wenig gemildert, aber es gibt heute keine günstige Strömung für eine Revision. Nur sehr wenige Ungarn halten es für realistisch und ernsthaft durchführbar, diese Frage erneut aufs Tapet zu bringen. Nach seiner Rückkehr an die Macht im Jahr 2010 verlieh Viktor Orbán den im Ausland lebenden Ungarn die Möglichkeit der Annahme der ungarischen Staatsbürgerschaft (mit Ausnahme der Ungarn in der Slowakei, nachdem das slowakische Parlament in einer Dringlichkeitsabstimmung den Widerruf der slowakischen Staatsbürgerschaft in der Slowakei im Falle des Erwerbs einer anderen Staatsbürgerschaft vorgesehen hatte); ferner wird die Verteidigung der magyarischen Minderheiten als grundlegende Forderung angesehen, doch in den Kreisen der Regierung und des Fidesz wird nie offen davon gesprochen, dass dies an sich nur durch eine Revision der Grenzen möglich ist. Orbán hat im Gegenteil viel getan, um gute Beziehungen zu den slowakischen und serbischen Nachbarn wiederherzustellen. Mit Rumänien gelang ihm das allerdings nicht, was auch insofern einen Sonderfall darstellt, als der „tiefe Staat“ in Rumänien regelmäßig jeden Versuch sabotiert, eine Einigung mit Orbáns „illiberalem“ Ungarn zu erzielen, indem er die Phantomdrohung eines in Wirklichkeit gar nicht vorhandenen ungarischen Wunsches aufrührt, in Siebenbürgen einzudringen.

– Vor hundert Jahren proklamierte die Entente als Kriegsziel das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Der Vertrag von Trianon verstieß jedoch gegen dieses Recht gegenüber den Ungarn. Was war der Grund dafür?

– Das Königreich Ungarn umfasste aus historischen Gründen nicht-magyarische Bevölkerungsgruppen: Slawen im Norden, Ruthenen in Transkarpatien, Rumänen in Siebenbürgen, Serben im Süden des Landes und Kroaten, die seit dem 12. Jahrhundert mit der Heiligen Stefanskrone von Ungarn verbunden waren. Dies war so bis ins 19. Jahrhundert, als nationale Bestrebungen unter diesen Bevölkerungsgruppen entstanden. Wenn damals das Selbstbestimmungsrecht der Völker geachtet worden wäre, wäre Ungarn unweigerlich dieser Bevölkerungsanteile verlustig geraten. Doch dieses Recht der Völker wurde aus strategischen Gründen völlig missachtet. Es wurde beispielsweise beschlossen, die ungarisch-tschechoslowakische Grenze an die Donau zu verlegen, wobei die Grenze der heutigen Slowakei weit über die von den Slowaken bevölkerten Gebiete hinaus verschoben wurde. Ebenso sollten die Rumänen, um ihnen die Kontrolle über eine Eisenbahnlinie zu geben, eine Erweiterung ihres Hoheitsgebiet lukrieren. Es gab also viele Faktoren, die Ungarn während des Vertrags von Trianon zu einem tragischen Schicksal verhalfen.

Wir sollten uns auch daran erinnern, dass die wiederholten Forderungen der Ungarn nach Referenden, um die Meinung der betroffenen Bevölkerung zu erfragen, systematisch abgelehnt wurden. Das einzige Referendum, das schließlich stattfand, betraf die Region Ödenburg/Sopron in Westungarn: in dieser Stadt, die ursprünglich von Österreich annektiert werden sollte, fand eine Erhebung ungarischer Soldaten statt, was eine Volksabstimmung im Dezember 1921 zur Folge hatte, die wiederum zur Rückkehr des Gebiets an Ungarn führte.

– Der frühere britische Premierminister Lloyd George hat später gesagt, dass „alle Unterlagen, die uns einige unserer Verbündeten während der Friedensverhandlungen zur Verfügung gestellt haben, falsch und manipuliert waren. Wir haben uns aufgrund von gefälschen Tatsachen entschieden“.

– Diese Art der Verhandlung ist für Lobbying- und Smoke-Screen-Aktionen charakteristisch. Als wir zum Beispiel eine „unabhängige“ Kommission entsandten, um zu prüfen, ob die Stadt Kaschau/Kassa (heute Košice) hauptsächlich von Ungarn oder Slowaken bevölkert ist, stellte sich heraus, dass diese Kommission von Leuten im Sold der Tschechen Benesch und Masaryk beschickt wurde. Diese Leute legten einen falschen Bericht vor, in dem behauptet wurde, es sei eine slowakische Stadt, und auf der Grundlage dieser Lüge wurde entschieden. Es gab solche Fälschungen, aber allgemeiner formuliert erhalten diejenigen, die keine Informationen erhalten möchten, auch keine Informationen.

– In seiner hervorragenden Arbeit über den Vertrag von Trianon („Das dramatische Schicksal Ungarns“) fand der Franzose Yves de Daruvar sehr harte Worte zur Verantwortung Frankreichs. Daruvar spricht von der „erstaunlichen Unwissenheit“ Clemenceaus. Stimmen Sie dem Autor zu, dass Frankreich sich mit diesem Vertrag auf seine eigene Niederlage im Jahr 1940 vorbereitet hat?

– Es ist sicher, dass Frankreich sein Bündnisspiel in Mittel- und Osteuropa, das darauf ausgerichtet war Deutschland einzudämmen, nicht gut aufgebaut hat. Die Idee war, dass die Kleine Entente – Rumänien, Jugoslawien und die Tschechoslowakei – so mächtig wie möglich sein sollte und dass sie Ungarn umschließt, um auf diese Weise das ehemalige Habsburgerreich ein für alle Mal zu liquidieren. Wir führen einen Großteil der Umverteilung auf André Tardieu zurück, und danach soll Clemenceau die bestimmende Rolle gespielt haben.

Es ist wahrscheinlich etwas übertrieben, eine direkte Verbindung zwischen dem Vertrag von Trianon und der französischen Niederlage von 1940 herzustellen, aber es ist wahr, dass die Staaten der Kleinen Entente neu und fragil waren, während Länder wie Polen und Ungarn über eine tausendjährige staatliche Tradition verfühten. In den 1920er Jahren versuchte Ungarn erfolglos, eine Grenzrevision durchzusetzen und geriet angesichts der Ablehnung der Sieger von 1918 mehr und mehr in Hitlers Abhängigkeit, da Deutschland das einzige Land war, das die ungarischen Forderungen unterstützte.

Mit Deutschland im Hintergrund wäre ein polnisch-ungarisches Bündnis stärker gewesen als die Kleine Entente, zumal sich diese beiden Nationen gegenseitig schätzten. Als Ungarn Transkarpatien wiedererlangte, hatte es ab März 1939 eine gemeinsame Grenze mit Polen. Im September desselben Jahres öffneten die Ungarn jedoch während des Polenfeldzugs zum großen Zorn der Deutschen ihre Grenze für polnische Flüchtlinge, d.h. ihre Freundschaft mit Polen blieb trotz des sehr mächtigen und aggressiven deutschen Verbündeten unvermindert stark.

– Wiederholt Frankreich heute wirtschaftlich nicht die gleichen Fehler, die es militärisch mit dem Vertrag von Trianon gemacht hat, während die mitteleuropäischen Staaten eher ein französisches Gegengewicht zur deutschen Wirtschaftsmacht einfordern?

– Auch wenn die deutschen Eliten die sogenannten „populistischen“ Tendenzen in Mitteleuropa nicht sehr mögen, hindert dies sie nicht daran, ihre Spielsteine aus wirtschaftlicher Sicht weiter zu legen. Sie unterscheiden somit deutlich zwischen ihrer möglicherweise ideologischen Abneigung gegen diese oder jene Regierung und ihren eigenen wirtschaftlichen Interessen. Heute zählt die Stimme Frankreichs, das mehr ideologisch und nicht sehr pragmatisch vorgeht, in Ungarn und Mitteleuropa nicht viel; andererseits trägt aber auch Frankreich seinerseits nicht viel dazu bei, um den Ländern dieser Region, die nach dem Fall der Berliner Mauer zum „Hinterland“ Deutschlands wurden, ein Gegengewicht zur deutschen Dominanz zu bieten.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst in französischer Sprache bei Visegrád Post

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Nationalismus Ungarn Zigeuner

Zwei junge ungarische Nationalisten ermordet

Am vergangenen Donnerstag, dem 21. Mai, wurden zwei junge ungarische Nationalisten im Alter von 16 und 21 Jahren von einer Gruppe Zigeuner ermordet. Das tragische Ereignis ereignete sich in der Stadt Budapest, wo die beiden Opfer zusammen mit einer Gruppe von Freunden von einer Gruppe Zigeuner angegriffen wurden, was zu einem anschließenden Kampf führte. Die Angreifer löschten das Leben dieser beiden jungen Männer mit einem Messer aus. Praktisch keine europäischen Massenmedien haben diese tragische Meldung gebracht, die ein tief verwurzeltes Problem in Ungarn verbirgt, bei dem Kriminalität und Zigeunermafias unverhältnismäßige Dimensionen annehmen. Die Arbeitslosen-, Analphabeten- und Kriminalitätsrate ist unter Zigeunern fünfmal höher als unter der allgemeinen und vielfältigen Bevölkerung Ungarns. Die Zahlen von 2003 bis 2004 haben geschätzt, dass in Ungarn 600.000 Zigeuner leben, aber die Zahl ist schwierig zu bestimmen, da die Mitglieder der größten ethnischen Minderheit in Europa skalenmäßig nur schwer identifiziert werden können. Nach sechshundert Jahren Präsenz im Land haben sie ihre Isolation, Lebensweise und Parallelgesellschaft zur ungarischen Gesellschaft bis heute beibehalten.

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Politik Zeitgeschichte

Kardinal Puljić erinnert in Sarajevo an die Opfer der Tito-Partisanen

In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo fand jetzt unter erheblichem Polizeischutz eine Gedenkmesse für die Opfer der jugoslawischen Tito-Partisanen statt. Ursprünglich wollte Vinko Kardinal Puljić die Messe in Bleiburg (Österreich) abhalten, wo traditionell jedes Jahr der Ereignisse vom Mai 1945 gedacht wird.

Aber die zuständige Diözese Gurk hatte der kroatischen und bosnischen Bischofskonferenz im Vorjahr die Abhaltung der Messe nicht gestattet, weil politisch Korrekte die Unterwanderung durch „Rechtsradikale“ und „Geschichtsrevisionisten“ befürchteten.

Dieses Jahr hatten die kroatische und die bosnische Bischofskonferenz bei der österreichischen katholischen Kirche gar nicht erst angeklopft.

Puljić betonte in seiner Predigt in der Kathedrale in Sarajevo, daß man „jedem unschuldigen Opfer den gleichen Respekt“ schulde. „Es kann keinen Unterschied geben.“

Das sehen die Parteigänger der kommunistischen Tito-Partisanen anders – neben zahllosen Unschuldigen waren unter den etwa 60.000 Menschen, die im Mai, Juni und Juli 1945 auf heutigem slowenischen Gebiet von Partisanen und dem Jugoslawischen Geheimdienst zum Teil unter bestialischen Umständen ermordet wurden, auch viele kroatische Ustascha-Kämpfer und Angehörige der Wehrmacht.

Unumstritten ist aber, daß die Massentötungen durch die Partisanen keine Kriegshandlungen, sondern Verbrechen waren, weil sie gegen die Genfer Konventionen verstießen, denen zufolge Kriegsgefangene „jederzeit mit Menschlichkeit behandelt und insbesondere gegen Gewalttätigkeiten, Beleidigungen und öffentliche Neugier geschützt werden“ müssen. Vergeltungsmaßnahmen an ihnen zu verüben sei verboten.

In Sarajevo trafen Gegner und Anhänger der Tito-Partisanen am Samstag unversöhnlich aufeinander. Während die einen in der Kirche der Opfer der Partisanen gedachten, skandierten die anderen draußen: „Tod dem Faschismus!“

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Geschichtsphilosophie Politik

Fichtes Konzeption der Nation

Von Lionel Baland*

Der 1762 in Rammenau bei Dresden geborene und 1814 in Berlin verstorbene Philosoph Johann Gottlieb Fichte ist neben Emmanuel Kant (1724-1804), Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) und Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling (1775-1854) eine der großen Figuren des deutschen Idealismus.
Zu Fichtes bekanntesten literarischen Werken zählen die Reden an die deutsche Nation, die im Winter 1807-1808, als Napoleons Armeen Preußen besetzten, in Berlin gehalten und daselbst 1808 veröffentlicht wurden. Sie zielen darauf ab, das deutsche Nationalbewusstsein zu wecken und einen Staat für alle Deutschen zu realisieren.

Discours à la nation allemande, Johann Gottlieb Fichte, Imprimerie nationale, Paris, 1992.In der Einführung zu einer französischen Übersetzung, die 1992 von der Imprimerie Nationale in Paris (1) veröffentlicht und von dem 1948 geborenen französischen Philosophen Alain Renaut erstellt wurde, wirft letzterer die Frage nach der von Fichte entwickelten Konzeption der Nation auf: ist es diejenige Konzeption, die aus der Französischen Revolution geboren wurde und von der Annahme des sie konstituierenden Dritten Standes ausgeht, oder aber diejenige der deutschen Romantik, „von der manchmal behauptet wurde, sie sei mit dem Herder’schen Begriff (2) des Volksgeistes (3) entstanden„, der der Nation nur die Nachkommen von Mitgliedern des Volkes zurechnet?

Die revolutionäre Nation

„Die revolutionäre Nation ist kein Körper, dem man angehört, sondern ein Gebäude, das man aus einer vertraglichen Bindung heraus aufbaut und den man daher als eine Willensäußerung ansehen muss. Die Nation bezeichnet hier die Gesamtheit aller Vertragsschließenden und überlässt die Macht dem allgemeinen Willen. So stützt sich Robespierre im Mai 1790 auf eine solche Idee, um die Forderung aufzustellen, dass der König ein „Vertreter der Nation“ sei: er sei deren „Angestellter und Delegierter“, Inhaber „der höchsten Verantwortung für die Ausführung des allgemeinen Willens“. Politisch gesehen ist der Horizont der in dieser Weise verstandenen Idee der Nation daher die demokratische Gemeinschaft, die durch die freiwillige Einhaltung öffentlich programmierter Prinzipien wie etwa der Erklärung der Menschenrechte definiert wird. Und man sollte festhalten, dass es dieser Logik zufolge auf der Welt mehrere Nationen gibt, weil es ja auch mehrere politische Regime gibt, deren Prinzipien nicht alle die der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit sind: der Unterschied zwischen den Nationen ist somit ein politischer, also de facto, und kein natürlicher, also de jure, d.h. er ist nicht gliederbar.“ (4)
Folglich markiert die Staatsgrenze die Grenze der Anwendung des Gesellschaftsvertrags und ist somit keine territoriale oder ethnische Grenze. Die csangehörigkeit ist keine natürliche Bestimmung, sondern „ein Akt der freiwilligen Bindung an die demokratische Gemeinschaft oder an den Gesellschaftsvertrag.“
„Die Nationalität wird somit in die Staatsbürgerschaft aufgenommen und definiert sich weniger als emotionale Bindung als als rationale Einhaltung von Grundsätzen. Heimat ist im revolutionären Sinne die demokratische Gemeinschaft als Heimat der Menschenrechte, und wenn die Bürger „Kinder der Heimat“ sind, sind sie dies vor allem als die Erben der Revolution – wobei dieses Erbe sich genau so wie das der Menschenrechte definiert.“ (5)
„Wenn die Nationsangehörigkeit aus einem Akt der freiwilligen Mitgliedschaft hervorgeht, ist der Zugang zu dieser Nationsangehörigkeit eine freie Wahl: um Franzose zu werden, genügt es der revolutionären Logik zufolge, sich zu den Menschenrechten und ab 1791 zur französischen Verfassung zu bekennen.“ (6)
Dieser Sichtweise zufolge kann einem dieses Zugehörigkeitbekenntnis auch abverlangt werden, wobei die Nationsangehörigkeit jedoch nicht verweigert werden kann. Der Bürger kann dieser Sichtweise zufolge aber auch die Nationsangehörigkeit verlieren, sobald er sich nicht mehr zu deren Werten bekennt.
Bis 1799 sagte Fichte, er sei Franzose, „ohne dass er zu seiner großen Verzweiflung auf eine Reaktion der republikanischen Regierung stieß.“ (7)
Die aus der Französischen Revolution hervorgegangene Nation kann somit alle Individuen des Planeten umfassen, soferne sich diese zu ihren Werten bekennen.

Die romantische Nation

Die Nation der Romantiker steht im Gegensatz zu dem Konzept der Nation, das während der Französischen Revolution entwickelt wurde. Sie basiert auf der Idee, dass es natürliche Unterschiede zwischen den Menschen gibt und dass die Nationalität mit der Geburt verbunden ist, wobei „Einbürgerung“ nur ein Art Notbehelf ist. Die Nationszugehörigkeit kann verweigert werden, insbesondere denjenigen, die zu wenig Kenntnisse der Landessprache haben. Andererseits geht die Nationszugehörigkeit nicht verloren, selbst wenn der jemand in einem anderen Teil der Welt lebt.

Der Wendepunkt

Die Frage, die sich stellt, ist die, wann die Idee der Nation im deutschsprachigen Raum vom Konzept der Aufklärung zum Konzept der Romantik übergegangen ist.
Alain Renaut hält Herder nicht für den Verantwortlichen für diese Wendepunkt und hebt die Tatsache hervor, dass Herder den Begriff des Volksgeistes nie ausdrücklich verwendet habe und dass Isaiah Berlin (1907-1999) aufgezeigt habe, dass Herder immer Universalist blieb: „Es ist vor allem die deutsche Romantik, insbesondere ausgehend von den Schlegel-Brüdern, die durch ihre bekannte Kritik an jeder Form des abstrakten Humanismus zur korrelativen Bestätigung einer absoluten Heterogenität der nationalen Kulturen gelangt.“
Renaut meint ferner, dass, wenn der in Frankreich entstandene Nationsbegriff in Deutschland rezipiert wurde, ebenso der im deutschsprachigen Raum entstandene Nationsbegriff in Frankreich Fuß gefasst habe.

Fichtes Idee der Nation

Kommt die Idee der Nation bei Johann Gottlieb Fichte von der Aufklärung oder von der Romantik, fragt Alain Renaut. Er hebt dabei die Tatsache hervor, dass sich der Begriff der Nation bei Fichte weiterentwickelt hat: seine ältesten Texte schreiben dem Nationsbegriff eine Bedeutung zu, die demjenigen der Aufklärung nahe kommt, während dieser Begriff sich in den Reden an die deutsche Nation in Richtung desjenigen der Romantik verschiebt.
In der Zeit der Reden an die deutsche Nation erschienen bei Fichte Elemente, die sich auf die romantische Konzeption der Nation beziehen: die Sprache, die Aufwertung des Mittelalters und dass die Niederlage von Preußen in Zusammenhang zu sehen sei mit „der Zerstörung des wichtigen Faktors des nationalen Zusammenhalts, den die Religion gebildet hatte, durch den Rationalismus“. (8)
Elemente der Kritik an der Romantik sind jedoch auch in den Reden an die deutsche Nation enthalten. In der Tat ist Fichtes Verweis auf das Mittelalter mehr auf die freien Städte als auf die Fürsten und den Adel gerichtet, also die „Ordnungskräfte“. Fichte befürwortet daher kein aus der Aufklärung hervorgehendes antithetisches Modell zur Demokratie. Während die Romantiker den Katholizismus preisen, tritt Fichte für die Reformation ein. Wenn Fichte auch die Idee der Nation in der Sprache verwurzelt sieht, schrieb er in einem Brief aus dem Jahr 1795: „Wer an Spiritualität und die Freiheit dieser Spiritualität glaubt und vermittels der Freiheit die ewige Entwicklung dieser Spiritualität verfolgen will, der ist, wo immer er auch geboren wurde und was immer auch seine Sprache wäre, von unserer Art, er gehört zu uns und wird mit uns gemeinsame Sache machen. Wer an Unbeweglichkeit, Regression und ewige Rückkehr glaubt oder eine leblose Natur zur Lenkung der Weltregierung installiert, der ist, wo immer er auch geboren wurde und was immer auch seine Sprache wäre, kein Deutscher und uns fremd, und wir müssen hoffen, dass er sich so schnell wie möglich vollständig von uns trennt.“ (9)
Fichte ist daher der Ansicht, dass alle von dem Moment an, in dem sie sich an „die universellen Werte von Geist und Freiheit halten“, die Möglichkeit haben Deutsche zu werden. (10)
„Ein solcher Patriotismus und Kosmopolitismus“, wie Fichte 1806 in seinen Patriotischen Dialogen vorschlug (11), „wären dadurch keineswegs ausgeschlossen: Man wird nicht deutsch geboren, sondern man wird es und verdient es.“ (12)
Wenn andererseits die Reden an die deutsche Nation die politische Romantik ablehnen, so kritisieren sie die Aufklärung zumindest in drei Punkten heftig. In der Tat werfen sie letzterer vor, die religiöse Bindung zwischen den Individuen zerstört zu haben, die jetzt ihre persönlichen Interessen vom gemeinsamen Schicksal loslösen. Darüber hinaus verzichtet das Erziehungskonzept der Aufklärung, das darauf abzielt, das Glück des Einzelnen zu erreichen und alle moralischen Ideale beseitigt, darauf den Menschen zu formen, „indem sie sich gegen die Natur wendet, um der Freiheit zum Durchbruch zu verhelfen, nur darauf abzielt, „etwas im Menschen zu formen“, zum Beispiel dieses oder jenes Talent; man setzt also voraus, dass der freie Wille von Natur aus existiert, dass es nicht erforderlich sei, ihn zu formen, sondern man ihm lediglich das eine oder andere Objekt geben müsse. […] Das Erziehungskonzept der Aufklärung widersetzt sich somit einer Erziehung, die weit davon entfernt, die Natur und den Kult des Glücks zu schätzen, nicht die Freiheit voraussetzt, sondern formale Einschränkung dessen ist, was in uns die Natur darstellt.“ (13)
Erneut ist hier das politische Ideal der Aufklärung, das aus „einer Art Automat besteht, in dem jedes Zahnrad gezwungen wäre, zum Fortschritt des Ganzen beizutragen, einfach aus gut verstandenem Interesse“, laut Fichte zum Scheitern verurteilt.
Fichte weist die Aufklärung und die Romantik gleichermaßen zurück und hält beiden den Vorrang der individuellen Natur vor dem Gesetz vor. Infolgedessen war Fichtes Konzept der Nation in den Jahren 1807-1808 ein Übergang zwischen dem der Aufklärung und dem der Romantik; oder war es gar eine dritte Idee davon, die nicht darauf beruhte, einer Nation anzugehören oder sich ihr anzuschließen, „sondern als Konzept der Erziehbarkeit gedacht“?
Fichte glaubt daher, dass jeder der nationalen Gemeinschaft beitreten kann, solange er die Werte von Geist und Recht anerkennt. Aber „er hinterlässt uns auch diese Überlegung, wonach Freiheit, die diesen Beitritt begründet, keine metaphysische Freiheit ist, die Zeit und Geschichte übersteigt, sondern immer eine situationsgebundene Freiheit, kurz gesagt, muss diese Freiheit, um sich in signifikanter Weise auszuüben, Teil einer Kultur und einer Tradition sein, für die die Werte des Geistes und des Gesetzes eine Bedeutung haben. Wie aber ist diese Vorschrift denkbar? […] Fichte stellte sich tatsächlich vor, dass das sichtbare Zeichen der Vorschrift einer Freiheit innerhalb einer Kultur und einer Tradition in der Fähigkeit besteht, erzogen zu werden, also in der Erziehbarkeit zu den Werten dieser Freiheit und dieser Tradition. Daher sein Beharren auf nationaler Erziehung als Erziehung zur Nation. Daher kommt es auch […], dass er die Bedeutung sprachlicher Gegebenheiten hervorzuheben vermochte, außerhalb derer die Erziehbarkeit problematisch ist, jedoch ohne diese Gegebenheiten zur conditio sine qua non zu machen, wie es eine Theorie der Nation machen würde, sie sich nicht auf Erziehbarkeit, sondern auf Zugehörigkeit gründet.“ (14)
Dieses Modell ermöglichte Fichte die Ablehnung der Konzeption der Nation, wie sie von der Aufklärung einerseits und von der Romantik andererseits vertreten wurde, und darüber hinaus die Befreiung von den durch Aufklärung und Romantik repräsentierten Denksystemen.

Anmerkungen

(1) Johann Gottlieb Fichte (Präsentation, Übersetzung und Anmerkungen von Alain Renaut), Discours à la nation allemande, Imprimerie nationale, Paris, 1992.
(2) Johann Gottfried Herder wurde 1744 geboren und starb 1803.
(3) Volksgeist oder nationales Genie.
(4) Johann Gottlieb Fichte, Discours à la nation allemande, p. 13.
(5) Ibid., p. 14.
(6) Ibid.
(7) Ibid.
(8) Ibid., p. 29.
(9) Ibid., p. 32.
(10) Ibid.
(11) (Übersetzung von Luc Ferry et Alain Renaut), in : Johann Gottlieb Fichte, Machiavel et autres écrits philosophiques et politiques de 1806-1807, Payot, Paris, 1981.
(12) Johann Gottlieb Fichte, Discours à la nation allemande, p. 32-33.
(13) Ibid., p. 36.
(14) Ibid., p. 42-43.

Dieser Beitrag erschien zuerst in französischer Sprache bei EuroLibertés, http://eurolibertes.com/culture/conception-de-nation-de-fichte/


*) Lionel Baland schreibt für patriotische französischsprachige Medien wie EuroLibertés, Boulevard Voltaire und Breizh-info. Er tritt auch gelegentlich als Kommentator bei TVLibertés und RadioLibertés auf. Sein politischer Blog: lionelbaland.hautetfort.com/

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Ideen Neue Rechte

„Dominique Venner hier!“

Der letzte Samurai des Westens. Sieben Jahre nach seinem Tod.

Ich erinnere mich mit ziemlicher Klarheit daran, als ich im Mai 2013 nach Hause kam und man mir die Nachricht überbrachte: „Dominique Venner soll in der Kirche Notre Dame Selbstmord begangen haben.“ Wir kannten Venner aus den Erzählungen von spanischen Veteranen aus der französischen Dissidentenumgebung. Er war Fallschirmspringer im Algerienkrieg und später Mitglied der 1961 in Madrid gegründeten militärischen Untergrundgruppe OAS. In den 1950er Jahren war er Mitglied der Jeune Nation und leitete die zweimonatlich erscheinende Nouvelle Revue d’histoire. Aufgrund seiner langjährigen politischen Karriere lasen wir mit Interesse jedes Schreiben, das uns ins Spanische übersetzt übermittelt wurde. Wir konnten nicht verstehen, was passiert war, denn im Alter von 78 Jahren war er nicht besonders krank, so dass es die Verzweiflung war, die ihn dazu bewegte, sich das Leben zu nehmen. Wir haben auch nicht verstanden, dass der für seinen Selbstmord gewählte Ort die Kathedrale Notre Dame war, da Venner kein Katholik war. Wir suchten in der Mainstream-Presse nach weiteren Nachrichten und fanden mehrere Meldungen, in denen die Gründe für den Selbstmord angegeben waren. Zu dieser Zeit wurde in Frankreich das Gesetz über die Homosexuellen-Ehe promulgiert, gegen das sich Venner mehrfach ausgesprochen hatte. Und ohne viel nachzudenken verband die Systempresse in einem Ausdruck geistiger Faulheit die Idee der Homo-Ehe mit seinem Selbstmord in der berühmtesten Kathedrale von Paris. Da wir mit diesen Informationen nicht zufrieden waren, rief ich einen guten Freund an, der immer wusste, was sich im Umfeld der europäischen Dissidenten ereignete, und der bestätigte, dass sich Venner vor zwei Tagen selbst erschossen hatte. Er hatte zudem auf dem Altar der Kathedrale eine Nachricht hinterlassen, nämlich einen Brief an die europäischen Nationalisten. Hören Sie sich diese am Ende dieses Artikels wiedergegebenen Worte an, denn jetzt ergibt alles Sinn. Die Tiefe dieser Nachricht war nicht der typische Abschied eines verzweifelten Mannes, es war etwas viel Innerlicheres, vom Charakter eines Yukio Mishima, eine überaus politische Geste. Von Anfang bis Ende militant, war Venners fortgeschrittenes Alter kein Grund, zu Hause zu bleiben und seine Lebenssituation zu bedauern. „Angesichts der enormen Gefahren, die sich für meine französische und europäische Heimat abzeichnen, fühle ich mich verpflichtet zu handeln, solange ich noch die Kraft dazu habe.“ Wir teilen nicht unbedingt die von ihm ergriffenen Maßnahmen und glauben auch nicht unbedingt, dass dies das beste Ende war, aber etwas, das nicht geleugnet werden kann, ist, dass er mit seinem rituellen Selbstmord versuchte, sich einer im Verfall befindlichen europäischen Bewegung mythisch zu opfern. Mit solcher politischer Mystik getränkt, hoffte er auf ein neues Anschwellen des europäischen symbolischen Imaginären. Er selbst hat es in seinen letzten Worten angedeutet: „Ich halte es für notwendig, mich zu opfern, um die Erstarrung zu brechen, die uns überwältigt. Ich opfere das, was von meinem Leben übrig ist, mit der Absicht des Protests und der Neubegründung.“ Es scheint widersprüchlich, aber im Thema des Opfers für Europa spiegelt sich die Opferung als rituelle Übertragung des Lebens durch den Tod und verkörpern sich die Prinzipien des triumphalen Todes. Venner selbst griff damit auf eine westliche Tradition zurück, die Mishima am triumphalen Tod (mors triumphalis) so sehr schätzte. Lassen wir uns von Venner selbst davon überzeugen, dass der Tod nicht das Ende ist und dass es einen triumphalen, wenngleich sakrilegischen Schritt gibt, der aber nicht sakrilegischer ist als die Opferung von Gottes eigenen Sohn für die Vergebung der Sünden oder den die des letzten Tribunen Europas für die Zukunft des Westens: „In der europäischen Tradition wurde Selbstmord genauso geehrt wie bei den Samurais. Lesen wir noch einmal nach bei Tacitus. Wenn ein Cato von Utica, ein Seneca, ein Petronius und viele mehr freiwillig ihre Tage beenden, bleiben sie der stoischen Philosophie treu, die lehrt, wie man sterben soll, wenn das Leben nicht mehr lebenswert ist. Zahlreiche weibliche Beispiele wie das der legendären Lucretia, oder von Servilia, der Frau von Lepidius oder von Arria, die ihren Ehemann Pætus ermutigte, als sie ihn erdolchte (Pæte, non dolet!), zeigen, dass die Römer ein ebenso starkes Gefühl von Würde, Mut und Pflicht hatten. Obwohl weniger konsequent, ehrte auch die griechische Antike den freiwilligen Tod. Erstens in der Person von Achilles, des Helden schlechthin, der wissentlich lieber ein kurzes und ruhmreiches Leben als ein langes und mittelmäßiges Leben wählte. Ein weiteres Beispiel der Griechen war Ajax, der seine Schande mittels Selbstmord auslöschte. Es ist bekannt, dass auch die Kelten genau wie die Römer Selbstmord begangen haben. In der Geschichte gibt es viele Beispiele: sowohl die von Brennus als auch die der Krieger von Numantia, die lieber starben als Niederlage und Gefangenschaft zu erleiden, d.h. ein unwürdiges Leben zu führen.“ *)

In einem anderen Text offenbart er seine Bedenken: „Der freiwillige Tod, wie ihn das Japan der Samurais kennt, kann zu einem erhöhten Streben nach Ehre und Würde führen.“ Er erwähnt dieses letzte Heldentum auch nochmals in diesem Kontext: „Es ist unmöglich, Admiral von Friedeburg, dem letzten Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, nicht Achtung zu zollen, der sich den Tod gab, nachdem er die Kapitulation von 1945 unterzeichnen musste.“ *)

Erinnerungsfeier an Dominique Venner in Paris

Widersprüchlich oder nicht, Kamerad Venner entschied sich für sein tragisches Ende. Er hatte bereits genug an seinen Ideen gearbeitet und wollte eine ohrenbetäubende, in Blut getauchte Botschaft an diejenigen übermitteln, die heute seinem Weg nachfolgen. Es wäre nicht gut oder klug für uns, Vorwürfe an den ehrenhaften Samurai zu richten, aber vielleicht ist es notwendig, dass unsere Vorstellungen von Zeit zu Zeit von seinem blutigen Tribut getränkt werden, damit keiner von uns eine Entschuldigung für Untätigkeit oder Faulheit hat und wir auf den heiligen Weg des Kampfes zurückkehren.

„Mit Stil Schluss zu machen ist nicht in jedermanns Sache. Den eigenen Tod zu bestimmen, ist hingegen eine der bedeutsamsten Handlungen im Leben eines Mannes.“ Möge sein Beispiel niemals vergessen werden und möge er uns begleiten.

Rubén M. González

*) „Le sens de la vie et de la mort“ [„Der Sinn von Leben und Tod“], La Nouvelle Revue d’Histoire. März-April 2008


Abschiedsbrief von Dominique Venner:

Die Gründe für einen freiwilligen Tod

Ich bin körperlich und geistig gesund und voller Liebe zu meiner Frau und meinen Kindern. Ich will das Leben und erwarte nichts darüber hinaus, außer die Aufrechterhaltung meiner Rasse und meines Geistes. In der Dämmerung dieses Lebens fühle ich mich jedoch angesichts der enormen Gefahren, die für meine französische und europäische Heimat abzeichnen, verpflichtet zu handeln, solange ich noch die Kraft dazu habe. Ich halte es für notwendig, mich zu opfern, um die Lethargie zu brechen, die uns überwältigt. Ich opfere das, was von meinem Leben übrig ist, mit der Absicht des Protests und der Neubegründung. Ich wähle dafür einen symbolträchtigen Ort, die Kathedrale Notre-Dame in Paris, die ich respektiere und bewundere, die Kathedrale, die vom Genie meiner Vorfahren an der Stelle älterer Kultstätten erbaut wurde und an unsere unvordenklichen Ursprünge erinnert.

Während so viele Männer zu Sklaven ihres Lebens werden, verkörpert meine Geste eine Ethik des Willens. Ich gebe mir den Tod mit der Zielsetzung, das schlummernde Gewissen der Menschen zu erwecken. Ich revoltiere gegen das Schicksal. Ich lehne mich gegen Seelengifte und gegen individuelle Wunschvorstellungen auf, die, wenn sie alles durchdringen, unsere Identitätsanker und insbesondere die Familie zerstören, die innere Grundlage unserer jahrtausendealten Kultur. Indem ich die Identität aller Völker in ihrer Heimat verteidige, lehne ich mich auch gegen das Verbrechen auf, das darauf abzielt, unsere Bevölkerungen auszutauschen.

Da der vorherrschende Diskurs seine toxischen Zweideutigkeiten nicht aufgeben kann, liegt es an den Europäern, die sich daraus ergebenden Konsequenzen zu ziehen. Obwohl wir keine Identitätsreligion haben, an die wir uns binden können, teilen wir seit Homers Zeiten eine eigene Erinnerung, in der alle Werte hinterlegt sind, auf denen unsere künftige Wiedergeburt aufbauen kann, sobald wir mit der Metaphysik des unbegrenzten, schädlichen Ursprungs aller modernen Abweichungen brechen.

Ich entschuldige mich im Voraus bei allen, denen mein Tod Schmerzen bereiten wird, und vor allem bei meiner Frau, meinen Kindern und Enkeln sowie meinen Freunden und Getreuen. Aber sobald der Schock des Schmerzes verblasst ist, bin ich überzeugt, dass die einen wie die anderen die Bedeutung meiner Geste verstehen und sie transzendieren werden, indem sie ihre Trauer in Stolz verwandeln. Ich möchte, dass sie sich zusammenfinden, um weiter zu leben. Sie finden in meinen jüngsten Schriften die Ankündigung und die Erklärung meiner Geste.


Einige auf Deutsch verlegte Werke von Dominique Venner:
Ein Samurai aus Europa. Das Brevier der Unbeugsamen. 2014.
– Das rebellische Herz. 2018.
Was ist Nationalismus? 2019.

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Politik

Interview mit Maurizio Blondet: Die Geheimgesellschaft „Skull and Bones“, die Neue Weltordnung und wirtschaftliche Komplotte

Das folgende Interview führte der Schriftsteller und Forscher Giuseppe Cosco (Direktor des italienischen Zentrums für Geheimdienste und Sonderuntersuchungen, CIIS) mit Maurizio Blondet. Maurizio Blondet ist ein dissidenter, traditionalistischer katholischer Ermittler, der seine Arbeit auf die verborgenen Kräfte konzentriert hat. Er hat verschiedene Machtpläne in Bezug auf Organhandel, Pädophilie und bestimmte politische Verschwörungen aufgedeckt. Diese Arbeiten haben ihm den systematischen Angriff der Anti-Defamation League eingebracht. Wir reproduzieren dieses alte Interview, das auf einige Veränderungen hinweist, die seinerzeit bereits Konturen annahmen und heute Realität geworden sind: so die Erläuterungen zur Skull and Bones-Gesellschaft, durch die künftige Führer der finanzpolitischen Elite der USA aufgestiegen sind, die Komplotte, durch die einige von ihnen zur Macht gelangten, oder ihre Infiltration der Kirche.

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Giuseppe Cosco: Doktor Blondet, Sie haben die Geschichte von „Skull and Bones“ untersucht. Was können Sie uns über diese mysteriöse Geheimgesellschaft erzählen?

Maurizio Blondet: Dies ist ein Geheimbund, der ursprünglich Studenten vorbehalten war und 1832 gegründet wurde, als einige Studenten der Yale University, einer der führenden amerikanischen Universitäten, vom amerikanischen Patriziat ausgewählt wurden. Pro Jahr wurden zwölf ausgewählt. Es ist bekannt, dass Georges Bush Senior, der frühere Präsident der Vereinigten Staaten, einer von ihnen war und vor ihm sein Vater und nach ihm natürlich sein Sohn, soferne dieser Sohn überhaupt Vorlesungen an der Yale University bekegen konnte, was wir bezweifeln. Der republikanische Präsidentschaftskandidat hat meiner Meinung nach nicht die Qualifizierung dafür [Anmerkung: Das Interview datiert vor der Wahl von Bush Junior]. Man kann jedoch mit einiger Sicherheit sagen, dass er Teil dieser Sekte ist. Vielleicht nur nominell, aber er kommt sicherlich aus dieser Umgebung. Die Familie Bush steht der Bankierfamilie Harriman sehr nahe, einer der mächtigsten Gruppen im amerikanischen Establishment.

Giuseppe Cosco: Kann man sagen, dass Skull and Bones auch in die CIA investiert hat, weil G.W. Bush ja bekanntlich der Direktor dieser Institution war?

Maurizio Blondet: Offensichtlich gibt es keine direkte Beziehung zwischen Skull and Bones und der CIA. Die Dinge sind nicht so einfach. Es ist jedoch wahr, dass mehrere CIA-Direktoren Mitglieder von Skull and Bones waren. Im Allgemeinen besteht das Ziel einer solchen Gesellschaft darin, gleichaltrige Gruppen von Männern zu bilden, aber auch Gruppen zwischen den Generationen, die sich je nach den Umständen gegenseitig helfen. Wir wissen auch ganz sicher, dass die Ideologie der Bruderschaft über die Linke und die Rechte hinausgeht. Für sie sind „rechts“ und „links“ Elemente einer Dialektik, die sie ausnutzen. Skull and Bones repräsentiert eine Gruppe von Gnostikern, die ganz spezifisch an allen politischen Manövern teilnehmen wollen, so dass sie manchmal eine Ideologie verwenden, die einmal der „Rechten“ und ein andermal der „Linken“ zugeschrieben wird. Diese Leute stellen sich sowieso über diese Unterscheidungen. Es ist zum Beispiel kein Zufall, dass Harriman der Bankier war, der zum Botschafter der Vereinigten Staaten in der Sowjetunion ernannt wurde. Auf diese Weise konnten sie Stalin und seinem Regime sehr wichtige Hilfe anbieten, während sie sich öffentlich immer als Antikommunisten proklamierten. Er war Teil dieser Gruppe von Bankiers, an die wir uns heute nicht mehr erinnern und die das sowjetische System auch unter Gorbatschow immer unterstützten.

Auf dem sechsten Platz links George W. Bush.

Giuseppe Cosco: Um in die Skull and Bones-Gesellschaft aufgenommen zu werden, muss man US-Bürger sein oder werden auch Mitglieder aus anderen Nationen zugelassen?

Maurizio Blondet: Ich weiß es nicht. Es scheint mir unwahrscheinlich, dass Nicht-Amerikaner Mitglieder werden möchten, obwohl wir unter den Mitgliedern einige Briten feststellen können. Was wir jedoch bestätigen können, ist, dass es sicherlich keine Mexikaner oder Italiener unter den Mitgliedern gibt.

Giuseppe Cosco: Hat die Geschichte der Sekte der „britischen Israeliten“ etwas mit der Skull and Bones-Gesellschaft zu tun?

Maurizio Blondet: Soweit ich weiß, sind die britischen Israeliten nicht direkt mit Skull and Bones verbunden.

Giuseppe Cosco: Skull and Bones werden seit dem späten 19. Jahrhundert verdächtigt, Satanismus zu praktizieren. Halten Sie das für wahrscheinlich?

Maurizio Blondet: Wir können es nur vermuten. Wir wissen einfach, dass es ein Ritual mit Knochen des indianischen Häuptlings Geronimo gibt, welche die Gruppe in ihrem Besitz hat. Diese Knochen werden in einem Raum in Yale aufbewahrt, der für normale Menschen unzugänglich ist, wo jedes Jahr das Initiationsritual stattfindet. Der Ritus ist zweifellos freimaurerischen Ursprungs, wie auch sein Stil zeigt, bei dem sich der Antragsteller in einem Sarg befindet, um ein symbolisches Ritual des Todes und der Wiedergeburt durchzuführen. Dann muss der Antragsteller Dinge offenlegen, für die er sich schämt, und normal darüber sprechen. Es geht dabei im Wesentlichen um Dinge, die damit zusammenhängen, wie man seine Sexualität auslebt. Das Ritual soll zu einer Art Reinigung führen, die dieses Ritual auch zu einer Parodie des katholischen Bekenntnisses macht.

Giuseppe Cosco: Wird also ein esoterischer Ritus gefeiert?

Maurizio Blondet: Ohne Zweifel. Es ist jedoch schwer zu sagen, dass Satanismus im engeren Sinne praktiziert wird. Wir vermuten auch, dass irgendwann im Ritual eine Priesterin eingreift, während die Gruppe ausschließlich aus Männern besteht. Daher spielt diese Frau eine Rolle in dieser Liturgie, aber sie kann nicht mit Sicherheit definiert werden.

Giuseppe Cosco: Kann man sagen, dass der ehemalige Präsident Clinton Teil dieser Gesellschaft war oder ist?

Maurizio Blondet: Nein. Clintons Geschichte ist anders. Er erhielt eine typisch angelsächsische Ausbildung. Er hat in England studiert und es scheint, dass er dort einen tiefen Ekel für das britische Universum ausgebildet hat. Al Gore [Anmerkung: Vizepräsident während der Clinton-Regierung, der später in ein Umweltskomplott involiert war und erst mit seiner Greta-Thunberg-Inszenierung wieder ins Rampenlicht trat] ist dagegen ein Mann aus einer ganz anderen Umgebung. Al Gores Familie war im amerikanischen Establishment immer mächtig, ebenso wie die Bushs, aber sie sind eher ein Teil des Establishments, der als „rot“ gilt. Al Gores Vater stand dem berühmten Hammer, einem Juden, der Lenin als erster finanziell aushalf, immer kommerziell sehr nahe. Hammer starb vor einigen Jahren im Alter von 90 Jahren und hinterließ ein kolossales Vermögen. Während seines ganzen Lebens war er ein sowjetischer Agent. Hammer war sehr berühmt: Er war es, der das „schmutzige Geschäft“ mit der Sowjetunion machte und diese politische Monstrosität unterstützte, aber auch ohne die Hilfe des Westens wäre sie bald zusammengebrochen. Daher ist es kein Zufall, dass Al Gore kürzlich einen „Fehler“ machte. Vor einigen Jahren hat der IWF den Vereinigten Staaten unter äußerst schlechten Bedingungen 7 Milliarden Dollar geliehen. Diese 7 Milliarden wurden sofort ins Ausland investiert, aber kein Cent davon floß offiziell nach Russland. Das Geld landete vielmehr auf dem Konto der „Oligarchen“ oder ehemaliger KGB-Agenten oder anderer Leute, die im neuen Russland zu „Geschäftsleuten“ mutierten.

Al Gore und Greta Thunberg

Giuseppe Cosco: Skull and Bones wurde schon mal als amerikanische Wiederbelebung des Illuminatenordens oder der bayerischen Illuminaten von Weisshaupt definiert. Was halten Sie davon?

Maurizio Blondet: Es ist möglich, aber ich glaube nicht, dass wir diesbezüglich unwiderlegbare Beweise vorlegen können. Es ist wahrscheinlicher, dass wir uns etwas allgemeiner und breiter gefasstes vorstellen, denn das Profil von Skull and Bones ist streng genommen nicht „revolutionär“. Es ist wahr, dass die Gesellschaft internationalistisch und globalistisch in Bush-Manier ist, aber keinesfalls revolutionär.

Giuseppe Cosco: Kann man sagen, dass diese Sekte für eine globale Richtung eintritt, die sogenannte Neue Weltordnung?

Maurizio Blondet: Das ist die Bedeutung, die Bush ihr gegeben hat. Präsident Bush (Senior) sprach während des Krieges gegen den Irak als erster offen über die „Neue Weltordnung“, die als Ergebnis dieses Krieges entstehen würde. Aber von da an entfalteten sich die Wechselfälle, die das planetarische Schachbrett belebten, nicht genau so, wie er es sich vorgestellt hatte. Tatsächlich haben wir es mit einer „Neuen Weltordnung“ in Aktion zu tun, aber wir können nicht genau sagen, welche langfristigen Konsequenzen dies haben wird. Die Weltmacht ist nicht mehr hinter der UN-Maske verborgen, sondern rückt direkt unter dem Sternenbanner vor. Die Vereinigten Staaten bleiben die einzige Supermacht. Sie müssen sich nicht länger mit einem Kunstkniff hinter den Vereinten Nationen verstecken.

Giuseppe Cosco: Was ist das wahre Gesicht der sogenannten „Neuen Weltordnung“, die viele Menschen als „das höchste Gut“ betrachten?

Maurizio Blondet: Grundsätzlich ist die „Neue Weltordnung“ der freie Kapitalverkehr, und zwar noch vor dem freien Marktverkehr, der an zweiter Stelle stehen würde. Dann kommt die Freizügigkeit von Personen, die an dritter Stelle stehen würden. Tatsächlich wird an der mexikanischen Grenze Kapital gerne angenommen, aber keine Menschen. Mit dieser „Neuen Weltordnung“ werden verschiedene aktuelle Phänomene erklärt; nicht ein jedes sollte a priori verurteilt werden. Wir müssen einige unserer üblichen ideologischen Positionen überprüfen, insbesondere wenn sie negativ sind. Der selbst globalisierte Kapitalismus funktioniert und ist nicht immer schlecht. Die Länder, die vom globalen Kapitalismus profitieren, sind nicht immer Länder der „Ersten Welt“, sondern auch Länder, die eine Wiederbelebung der Vitalität erleben und ihre tiefen kulturellen Besonderheiten wiederbeleben. Diese kulturelle Wiederbelebung war wahrscheinlich nicht zu erwarten. Beispiel: Indien hat sich zu einem bedeutenden Softwareexporteur entwickelt, da alle indischen Software-Giganten der Brahmanen-Kaste angehören, die aus Familien besteht, in denen Sanskrit verwendet wird, d.h. eine klassische Sprache, über die auch noch eine abstrakte traditionelle Mathematik Verbreitung findet. Vertreter dieser Gruppe sprechen Englisch und produzieren Software auf Englisch, die auf dem Weltmarkt weniger kostet. Ein weiteres von der Globalisierung betroffenes Land wäre Spanien. Dieser Vorteil beruht auf einer bestimmten kulturellen Tatsache. Spanien ist seit fünfhundert Jahren ein Königreich. Heute sprechen weltweit 400 Millionen Menschen Spanisch. Das spanische Establishment wird zur dominierenden Wirtschaftsmacht auf den südamerikanischen Märkten. Spanische Banken sind dabei, Banken in Argentinien, Venezuela usw. zu erwerben. Ich war kürzlich in Spanien und habe festgestellt, dass es dort keine antiglobalistischen kulturellen Auswirkungen gibt, wie sie in Frankreich, Italien und auch in Deutschland bestehen. Es ist kein Zufall, dass der Antiglobalismus das Gesicht der Linken einnimmt, also jener Kräfte, die ineffektive Weltregierungen hervorgebracht haben.

Giuseppe Cosco: Was sind Ihrer Meinung nach die negativen Aspekte der „Neuen Weltordnung“?

Maurizio Blondet: Die negativen Aspekte konzentrieren sich offensichtlich auf das Übermaß an Freizügigkeit von rein spekulativem Kapital. Bei der geringsten Panikbewegung verschwindet dieses Kapital in wenigen Minuten, denn jetzt bewegt sich elektronisches Geld mit der Geschwindigkeit der Telekommunikation und lässt plötzlich ganze Länder austrocknen und in schwere Wirtschaftskrisen stürzen. Daher sind die negativen Elemente der „Neuen Weltordnung“ auf Phänomene zurückzuführen, die mit spekulativen Finanzierungen verbunden sind, und lassen riesige Blasen unbezahlter Schulden erkennen. In einigen lateinamerikanischen Ländern sind solche Auswirkungen besonders dramatisch. Ich denke zum Beispiel an Kolumbien. Diese Länder sollten sich auf Bereiche spezialisieren, in denen sie wettbewerbsfähig sind. Kolumbien produziert Koka. Ein Drittel seines Territoriums wird bereits von illegalen Unternehmen kontrolliert, die es schon lange gibt. Offensichtlich haben diese ein „linkes“ Etikett. Sie bestehen nämlich aus Drogenhändlern, die als Linke bezeichnet werden. Richard Grasso, der Direktor der New Yorker Börse [Anmerkung: in den Jahren 1995 bis 2003], besuchte diese De-facto-Terroristen, die die Bevölkerung terrorisierten, Kinder töteten und an Angriffen teilnahmen, die eines Pol Pot aus Kambodscha würdig waren, aber diese Ereignisse waren für Grasso offenbar nicht so wichtig. Grasso bot an, das Geld dieser Mafias an der New Yorker Börse zu „investieren“. Wenn die amerikanische Finanzwelt am Geld der kolumbianischen Drogenhändler interessiert ist, kann dies bedeuten, dass sie bald sogenannte harte Drogen legalisieren werden.

Der Direktor der New Yorker Börse, Richard Grasso, umarmt den Hauptunterhändler der FARC-Guerillas, Kommandant Raúl Reyes. Foto aufgenommen Ende Juni 1999 im Bauernhaus „La Machaca“ in Kolumbien.

Giuseppe Cosco: Einige Katholiken haben Angst, dass die Umsetzung der totalen Globalisierung zum Verschwinden der katholischen Religion führen wird. Denken Sie, dass diese Angst berechtigt ist?

Maurizio Blondet: Diejenigen Kräfte, die das Aufkommen der „Neuen Weltordnung“ wünschen, sind dem Katholizismus feindlich gesinnt. Ich denke dabei hauptsächlich an Bush. Und auch an Al Gore. Der Kampf gegen den Katholizismus ist komplex, er beruht auf verschiedenen autonomen Phänomenen, aber ich denke, es ist schwierig, direkt auf den Vatikan einzuwirken. Das eigentliche Problem liegt meiner Meinung nach in einer Art Endreaktion des klerikalen Katholizismus. Der hohe Klerus des Vatikans selbst scheint eine Art lächelnden Nihilismus anzunehmen, der ihn dazu veranlasst, den starken Inhalt der Orthodoxie zu minimieren und wichtige Medienereignisse zu provozieren, die letztendlich nur reine Erscheinungen ohne Substanz sind. Die Dinge sind so weit gegangen, dass Massimo d’Alema, der Chef der linken Regierung in Italien, zu Weihnachten seine Frau und seine Kinder zur Mitternachtsmesse nach Bethlehem mitnahm [Anmerkung: In seiner Jugend war d’Alema Generalsekretär des Italieners Jugend der Kommunistischen Partei und späterer Parteivorsitzender. Er war der erste Regierungschef (1998-2000) der Europäischen Union, der aus dem Kommunismus stammte. 2006 wurde er zum italienischen Außenminister ernannt.] Es klingt trivial, aber es ist wirklich überraschend: Wir haben es mit einem Politiker zu tun, der an nichts glaubt und der seine Familie mitnimmt, um im Grunde genommen an einer Show von sehr suggestiver spiritueller Natur teilzunehmen. Meiner Meinung nach wollen sie diese Umgebungen beeinflussen, die jetzt im Niedergang begriffen sind.

Giuseppe Cosco: Ist die Kirche Ihrer Meinung nach nichts weiter als ein riesiges suggestives Spektakel, das dazu bestimmt ist, die Massen zu beeindrucken?

Maurizio Blondet: De facto handelt es sich nur um eine Kirche des Spektakels, die von dieser Art von atheistischem institutionellem Klerikalismus gesponsert wird, weil es heute einen trügerischen Klerus gibt, der links und atheistisch ist. Bestimmte Verhaltensweisen der Kirche, wie die fortwährende Bitte um „Vergebung“, lassen echte Katholiken ratlos zurück und erobern im Gegenteil die aufmerksamen Ohren des institutionellen Konsenses der Linken oder bestimmter Schichten der Bevölkerung, die vorher nicht mit der Kirche verbunden waren und nicht religiös sind.

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Politik

Die entstellte Identität: Bevölkerungsaustausch und Umvolkung nach 1945

Von Dr. Tomislav Sunić

Vermischte Völker und organisierte Masseneinwanderung sind Konzepte kapitalistischer und kommunistischer Ideologen. Der Kapitalismus will den unbegrenzten Waren-, Geld- und Personentransfer, um den Profit zu erhöhen, der Kommunismus will entwurzelte und manipulierbare Menschen als Proletariatersatz. Beide Ideologien sind Relikte des merkantilistischen 19. Jahrhunderts, leugnen Völker, Rassen und Traditionen. Wiewohl Sieger im Zweiten Weltkrieg, haben sie bei der Gestaltung einer Friedensordnung versagt und versuchen die Welt in den Strudel ihres Niederganges hineinzuziehen. Der kroatische Diplomat und Dozent Tomislav Sunić geht den ideologischen Ursachen nach.

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Wir müssen zuerst einige Begriffe klären. Worte wie Bevölkerungsaustausch oder Umvolkung werden in der BRD-Medienlandschaft vermieden. BRD-Politiker benutzen meistens das Wort „Flüchtlinge“, wenn sie über die derzeitige Umvolkung reden. Der Sprachgebrauch in der BRD ist ein besonderer Fall, da alle politischen Redewendungen sowie alle politischen Begriffe in der BRD seit 1945 einer neuen Bedeutung unterliegen sollen. Je nach dem herrschenden Zeitgeist, je nach der politischen Sprachregelung werden manche Worte inflationär gebraucht oder vermieden. Die Wahl des Modewortes „Flüchtling“ soll Hilfsbereitschaft wecken. Dieses sentimentale Wort, statt des zutreffenden Wortes Einwanderer oder Migrant, soll die deutschen Nachkriegs-Schuldgefühle wachhalten und das Kriegsziel der ethnischen Vermischung mit außereuropäischen Migranten erreichen. Dies wird mit dem weitgehenden Asylrecht in Art. 16a des Grundgesetzes angesteuert, wobei Art. 16b ignoriert wird, der eine Einreise aus sicheren Drittländern untersagt. Weniger als 5 Prozent sind echte Flüchtlinge oder Vertriebene, aber selbst nach der Ablehnung des Asylstatus werden diese Einwanderer weiterhin geduldet und bezahlt. Die Frage, warum die Emigranten nicht in den benachbarten Ländern mit verwandter Kultur bleiben wollen, nämlich Jordanien, Türkei, Saudi Arabien, sondern alle nur in Richtung Deutschland gehen, ist längst beantwortet: Hier gibt es die größte Aufnahmebereitschaft und finanzielle Ausstattung. Das Wort Flüchtling ist falsch, das Wort Migrant ist zu abstrakt, das Wort Wirtschaftsflüchtling kaum gebräuchlich.

Hinsichtlich der „Umvolkung“ oder des „Bevölkerungsaustausches“ sollte man darauf hinweisen, daß es dies immer schon gegeben hat und immer geben wird. Vor kurzem gab es mehrere kleine Bevölkerungs-Austauschaktionen im ehemaligen Jugoslawien, wobei viele Kroaten, muslimische Bosniaken und Serben in Bosnien ihre ehemaligen Wohnorte verlassen mußten. Vertreibung wäre hier ein besseres Wort für diese Aktion, da dieser Bevölkerungsaustausch in Ex-Jugoslawien mitten im Kriege stattgefunden hat.

In den 1920er Jahren gab es einen großen aber geregelten Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei. Solange ein Bevölkerungsaustausch freiwillig stattfindet, etwa nach einer Volksabstimmung, kann man sie akzeptieren. Das einzige Problem ist die Wortwahl. Anfang des 18ten Jahrhunderts gab es einen friedlichen Bevölkerungsaustausch im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, wobei Hunderttausende Deutsche nach Ost- und Südosteuropa übersiedelten, nachdem sie dort als Siedler gerufen worden waren. Hier wäre es angemessen, von einer Völkerwanderung zu reden. Zwischen 1944 und 1947 gab es wieder einen gigantischen Bevölkerungsaustausch, wobei über 12 Millionen Deutsche gewaltsam in das geschrumpfte Kerndeutschland vertrieben wurden. Hier ist allerdings der Begriff „Bevölkerungsaustausch“ unangemessen, da die blutige Vertreibung mehr als zwei Millionen Menschenleben kostete. Zudem war Deutschland Ende 1945 kein Schlaraffenland für die Vertriebenen; es war völlig zerbombt. Hier passen vielmehr die Worte „Flüchtling“ und „Vertriebene“, da diese Menschen aus dem Osten vor Tod oder Deportation fliehen mußten. Über die richtige Wortwahl in Bezug auf heutige außereuropäische Neuankömmlinge in der BRD kann man sich tagelang streiten.

Ursachen der Umvolkung

Die heutigen Systemmedien nehmen Fremdenhaß und Gewalttaten, also die Folgen der Masseneinwanderung, zum Anlaß, den Deutschen eine fehlende Bereitschaft zur Aufnahme von Einwanderern zu unterstellen. Viele „Experten“ wollen in bezahlten Studien die Wurzeln des Fremdenhasses analysieren. Nun, diese Wurzeln sind vielfältig. Nicht der Islam und nicht die außereuropäischen Migranten haben eine Schuld an diesem neuen Völkeraustausch. Die Hauptschuld liegt in der Ideologie des Liberalismus, im Multikulturalismus und ihren verschiedenen modernen Ablegern.

Es geht hier auch nicht um einen geheimen Plan von ein paar bösen Leuten oder eine Verschwörungstheorie angesichts des realen Bevölkerungsaustausches, der jetzt in Europa im Gange ist. Es gibt freilich übernationale Gruppen und Lobbies, die von diesem Völkeraustausch profitieren, was aber nicht heißen muß, daß diese Gruppen alleine geheime Pläne schmieden. Sie folgen vielmehr einem Denkmuster.

Die heutige Umvolkung ist völkerrechtlich im Einklang mit dem liberalistischen Fortschrittsglauben. Dieser Fortschrittsglaube beruht auf dem Grundsatz der unbeschränkten Bewegung von Menschen und Waren, wobei folgerichtig auch Menschen zu Waren werden. Dieser liberalistische Grundsatz ist in UN- und EU-Dokumenten fest verankert. Der Händler oder der Spekulant duldet keine Grenzen und keine Staaten, und schon gar keine Völker, er sieht nur eine anonyme große Konsumgesellschaft. Dem Händler ist es egal, wer sein Kunde ist; ob sein Kunde Inder, Kroate oder Afrikaner ist – er will nur Profit machen. Der Zuzug außereuropäischer Migranten in die BRD, in die gesamte EU ist die logische Folge der Dynamik des Liberalismus und seines Ablegers Globalismus, und das ist ein Prozess, der schon rund zweihundert Jahre dauert. 1) Wir haben die Auswirkung dieser Dynamik schon in der Mitte des 19ten Jahrhunderts gesehen.

Deswegen ist jegliche Kritik an der Masseneinwanderung ohne eine vorhergehende Kritik am liberalen Handel bzw. am Kapitalismus sinnlos. Und umkehrt. Die kleinen kriminellen Migrantenschlepper, die meistens aus dem Balkan stammen, sind nur ein Abbild der großen Gutmenschen-Migrantenschlepper, die in unseren Regierungen sitzen. Auch unsere Politiker, ob sie in Brüssel oder in Berlin sitzen, befolgen nur die Regeln des freien Marktes.

Auch die Linke irrt sich, wenn sie sich für die Masseneinwanderung ausspricht. Die Migranten gelten für die Linken als Ersatzproletariat. Die Linken schieben gerne „Menschenrechte“ vor und behaupten, daß es keine Unterschiede zwischen Menschen, Völkern und Rassen gäbe, und daß unsere ethnischen, geschlechtlichen, rassischen oder völkischen Identitäten ein bloßes Sozialkonstrukt seien, die man immer mit einer anderen Identität austauschen könne. Es ist auffallend, daß die linken Weltverbesserer, die ständig von Gleichheit und Austauschbarkeit aller Völker und Menschen träumen, nie die enormen Wohlstandsunterschiede zwischen dem globalen Establishment und den Migranten antasten wollen, sondern diese ökonomischen Ungleichheiten hinnehmen. Sie kommen auch nicht auf die Idee, die Fluchtursachen anzuprangern oder eine Hilfe in der Heimat der Migranten zu organisieren (siehe Beitrag „Das Sachs-Konzept“ in Ausgabe 1-2020). Nach Alain de Benoist: „Wer den Kapitalismus kritisiert und gleichzeitig die Einwanderung billigt, deren erstes Opfer die lohnabhängige Arbeiterschaft ist, sollte besser die Klappe halten. Wer die Einwanderung kritisiert, aber über den Kapitalismus schweigt, sollte das Gleiche tun“. 2)

Die BRD ist heute ein idealer Migrantenstaat, da sie seit 1945 ein krankes Land mit hochneurotischen Regierungen ist. Wenn man die Lage in der BRD oder in ganz Europa verstehen will, besonders in Bezug auf den Zuzug außereuropäischer Migranten, muß man immer wieder nach 1945 zurückblicken. Die BRD ist seit 1945 ein halb-souveräner Staat. Die von Panik geplagten BRD-Politiker, mit ihrer permanent geschwungenen Nazikeule, haben sich aus der Geschichte verabschiedet und haben dem Begriff des Politischen freiwillig entsagt. Die Schuldkultur der BRD-Etablierten erklärt, warum Deutschland heute an der Spitze der sogenannten Willkommenskultur rangieren muß. Deutsche Schuldgefühle gegenüber der ganzen Welt sind aber keine Garantie dafür, daß morgen oder übermorgen ein feindlicher Staat der heutigen BRD ein solches philanthropisches und selbsthassendes Verhalten honorieren wird. Wenn ich mich verweigere, meinen Feind als solchen zu benennen, wird das nicht heißen, daß mein Feind dasselbe tun wird. Genau das Gegenteil passiert. Immer mehr Politiker, sowohl europäische als auch außereuropäische, sehen die BRD als einen labilen Sicherheitsfaktor.

Außerdem bedeuten deutsche Gesten der Menschenliebe gegenüber den „Anderen“ längst nicht, daß die Anderen sich auf gleiche freundliche Art morgen gegenüber den Deutschen benehmen werden. Die meisten Leute in Merkels Umfeld sind sich dieser neurotischen Lage in der BRD völlig bewußt; sie glauben jedoch, daß sie die sozialen Spannungen abbauen könnten, indem sie immer weiter dem Selbsthaß frönen und die Rolle des Prügelknaben weiterspielen.

US-Kriege und linker Fortschrittsglaube

Wieder benötigen wir einige Begriffserklärungen. Wir müssen einen wichtigen Unterschied zwischen Anlaß und Ursache der heutigen Migrationsströme erkennen. In jedem Fall sind die Migranten auch Opfer dieses globalistischen-liberalistischen Systems. Die wichtigsten Anlässe zur jetzigen Umvolkung waren gescheiterte amerikanische Kriege am Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts im Mittleren Osten und in Afrika sowie der Zusammenbruch des Mythos von guten und intelligenten Dritt-Welt-Ländern einschließlich der linken Fortschrittsprognosen für diese Völker. Die Entkolonialisierung Afrikas und Südasiens hat nicht Stabilität sondern mehr Chaos in Afrika und Asien verursacht. Dies waren die Anlässe für die heutigen Migrationsströme – aber nicht die Ursachen. Die Ursachen des heutigen Völkeraustausches liegen anderswo.

Natürlich könnte der heutige Bevölkerungsaustausch von jedem europäischen Staat jederzeit gestoppt oder auch rückgängig gemacht werden, solange Politiker Mut zur Macht haben, solange sie politische Entscheidungen treffen wollen, oder anders gesagt, solange sie die Entschlossenheit zeigen, den Zuzug der Migranten aufzuhalten.

Warum fehlt es bei deutschen Politikern am Mut zur politischen Entscheidung in Bezug auf den Einwanderungsstopp? Die Antwort ist leicht zu erraten: Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs fehlt es bei den Politikern in der BRD (aber auch in der EU) am Willen zur Macht. Diplomatisch gesagt, es fehlt ihnen der Begriff des Politischen. Allerdings ist solch unpolitisches Verhalten der heutigen BRD-EU-Politiker völlig im Einklang mit ihrem Zweckoptimismus, der aus dem Gründungsmythos des liberalen Systems seit 1945 herrührt. Das apolitische Verhalten der Regierenden in der BRD, in Europa und Amerika ist gar keine Überraschung für uns, da die zugrundeliegende Ideologie des Systems keine politische Souveränität der Völker dulden darf. Demzufolge sind Politiker eher lohnabhängige Angestellte des Systems. Dazu kommt die Angst der neurotischen BRD-Politiker, ihre Entscheidung über eine Abschiebung von Migranten könnte als Faschismus oder Rassismus gebrandmarkt werden. Das ist ein Stigma, das kein deutscher Politiker über sich ergehen lassen darf. „Der Antifaschismus ist eine Fundamentalnorm der politischen Kultur Deutschlands seit 1945.“ 3)

Das verlorene deutsche Ich – oder die BRD-Doppelgänger

Es gibt im deutschen Kulturgeist eine besondere Neigung zur Selbstverleugnung. Diese Selbstverleugnung erzeugt den Typ eines Doppelgängers, der den Andersartigen nachahmt. Wir sehen diesen Typ des Doppelgängers bei vielen Romantikern, wie z.B. in E.T.A. Hoffmanns Novelle „Der Sandmann“, wo sich die Hauptfigur in einen Automaten verliebt, der einer schönen Frau ähnelt. Wir sind heute Zeuge einer solchen Automatenliebe, das heißt des Identitätsverlusts bei vielen Deutschen. Ein Beispiel sind die bußfertigen Pilgerfahrten deutscher Politiker nach Israel. Kanzlerin Angela Merkel hat vor einigen Jahren bei ihrem Besuch in Israel gesagt: „Für uns und auch für die deutsche Seite ist das (Israel) ein Teil unserer Identität.“ Das ist eine pastorale Selbsttäuschung, die häufig bei BRD-Politikern vorherrscht, zumindest in Verbindung mit einem bestimmten Amt. 4)

Über das deutsche politische Doppelgängertum, das sich in Selbsthaß, Selbstzensur, und Hypermoral gegenüber Drittweltbürgern offenbart, kann man lange reden. Diese geistige Beeinträchtigung, die sich in zersplitterter Identität offenbart, hat der Dichter Gottfried Benn in seinem Gedicht „Verlorenes Ich“ gut beschrieben. Friedrich Nietzsche hat seinerseits diese angstgetriebene, liberalistisch-weltverbessernde Hypermoral bei vielen deutschen Politikern schon vor fast 150 Jahren erkannt. „Wenn aber Goethe mit gutem Rechte gesagt hat, daß wir mit unseren Tugenden zugleich auch unsere Fehler anbauen, und wenn, wie jedermann weiß, eine hypertrophische Tugend – wie sie mir der historische Sinn unserer Zeit zu sein scheint – so gut zum Verderben eines Volkes werden kann wie ein hypertrophisches Laster: so mag mich nur einmal gewähren lassen“. 5) Diese deutschen Mimikry-Vorgänge, deren wir Zeuge sind, haben heute eine pathologische Grenze erreicht, wobei die BRD-Politiker ihre Gutmütigkeit gegenüber Fremden immer wieder verdoppeln müssen, um damit ihre vorgebliche historische Sünde besser loswerden zu können. Zum großen Teile ist deratige Mimikry Folge der alliierten Umerziehung, deren Ziel es war und noch immer ist, eine neue Menschenart herzustellen. Ja, den „Neuen Menschen“ wollte ja auch der Kommunismus.

Es wird oft übersehen, besonders bei den Linken in der BRD, daß die Migranten gar keine homogene Masse darstellen; sie bekriegen sich auch gegenseitig. Unter Annahme einer real entdeutschten BRD werden sich die verschiedenen Bevölkerungsgruppen dann gegenseitig bekämpfen, was jetzt schon sichtbar wird. Hier soll man hinzufügen, daß Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nicht nur ein Kennzeichen der Deutschen oder der „weißen Männer“ sind. In Amerika zum Beispiel, gibt es täglich kleine Zusammenstöße zwischen vielen schwarzen und hispanischen Banden. Zudem sind die Amerikaner ostasiatischer und japanischer Abstammung traditionell sehr feindselig gegenüber den Afro-Amerikanern und Latinos eingestellt. Aber derzeit soll nur den Weißen Schuld und Reue eingeimpft werden.

Die heilige Wirtschaftlichkeit

Es gibt in Westeuropa heute keinen einzigen Staat, der noch ethnisch und kulturell homogen ist, wie das noch vor ca. 50 Jahren der Fall war. Anders in Osteuropa. Im Durchschnitt besteht gegenwärtig die Bevölkerung jedes einzelnen westeuropäischen Staates aus ca. 15 % Bewohnern nichteuropäischer Abstammung. In den USA beträgt dieser nichteuropäische Anteil sogar fast 50 %. Diesbezüglich kann man freilich über eine neues buntes Abendland reden, dessen Parallelgesellschaften wenig Gemeinsamkeiten haben und früher oder später Unruhen und Kleinkriege zwischen und inmitten der Neuankömmlinge auslösen werden. Der Grund, daß es derzeit noch keine massiven zwischenrassischen Konflikte in Westeuropa und Amerika gibt, liegt an der Tatsache, daß die USA und Westeuropa noch immer relativ wohlhabende Länder sind deren großzügige Sozialabgaben an außereuropäische Migranten den sozialen Frieden bewahren. Das westliche System und dessen kleiner Ableger, die EU, so wie wir es heute kennen, basiert seit 1945 auf dem Glauben an die „heilige Wirtschaftlichkeit“, wie es einst von dem deutschen Soziologen Werner Sombart benannt wurde. 6) Dieses System, in dem der Fortschrittsglaube eine neue Religion geworden ist, wird zugrundegehen, sobald diese heilige Wirtschaft kein Heil für ihre multiethnischen Bewohner mehr auszuschütten vermag.

Demzufolge stellt sich die Frage, was bedeutet es heute, ein guter Europäer zu sein? Ist ein Bauer im ethnisch homogenen Rumänien oder Kroatien ein besserer Europäer, oder ist ein Nachkomme der dritten Generation eines Somaliers oder Maghrebiners, der in Berlin oder Paris wohnt, ein besserer Europäer?

Man soll auch sehr skeptisch sein gegenüber zahlreichen rechtsorientierten Gruppen in der BRD und Europa, die von einem Krieg gegen Muslime reden. Eines soll hier unterstrichen werden: Wenn ein neuer Bürgerkrieg in der BRD oder Europa ausbricht, wird es kein Krieg lediglich zwischen Europäern und Nicht-Europäern sein. Dieser Krieg wird keine klare Linie zwischen Feind und Freund aufzeigen. Viele linksorientierte Bürger werden auf der Seite der Migranten kämpfen. Hier sollen wir auch klar zwischen Religion und ethnischer Zugehörigkeit unterscheiden. Die meisten Zuwanderer, die jetzt nach Europa hineinströmen, sind tatsächlich muslimische Nicht-Europäer. Aber Religion und Nationalität sind keine Synonyme. Es gibt europäische Muslime wie die Bosniaken z.B., aber es gibt auch Muslime in Pakistan oder Somalia. Die haben gar nichts miteinander gemeinsam.

Identitäten erkennen

Die aktuellen nicht-europäischen Migrantenströme aus der Türkei könnten einerseits den Europäern helfen, indem sie sich selbst ihrer gemeinsamen europäischen biokulturellen Wurzeln bewußt werden. Anderseits könnten diese nichteuropäischen Migranten die uralten zwischen-europäischen Auseinandersetzungen weiter vertiefen. Hier ein Beispiel: Derzeit gibt es ca. 20.000 bis 30.000 außereuropäische Migranten im benachbarten dysfunktionalen Staat Bosnien, wo vor kurzem drei verfeindete europäische Völker – Kroaten, muslimische Bosniaken und Serben – sich bekriegten und nun zusammenleben müssen. Die serbischen Verwaltungsbezirke im serbischen Teil Bosniens wollen diese Migranten nicht behalten, und statt dessen verschieben sie diese an die kroatische Grenze. Die kroatisch-serbische Spannung, die immer noch da ist, kann sich noch vertiefen. Ähnliches kann morgen geschehen, wenn sich z.B. Polen entschließt, Quotenmigranten nicht aufzunehmen, sondern sie der Frau Merkel überläßt. Dann könnten leicht die alten polnisch-deutschen Abneigungen neu geweckt werden.

Hier ist die große Frage für den guten Europäer: Wollen wir weiterhin auf unsere historischen Kleinstaatereien und Auseinandersetzungen beharren, oder wollen wir unsere gemeinsame Identität verteidigen?

Die Kritik am Islam, wie sie bei vielen Rechten gängig ist, hat auch keinen Sinn, wenn man übersieht, daß die lautesten Befürworter der muslimischen Einwanderung die großen Kirchen, der Papst und die deutschen und amerikanischen Bischöfe sind und nicht die Antifaschisten. Das Christentum ist, ebenso wie der Islam, eine universale Offenbarungs-Religion. Beide kommen aus dem Judentum, das seine Quelle im Orient hat – nicht in Europa. Der Zuzug der Migranten wird heute psychologisch und per Gesetz von den Kirchen und dem Vatikan unterstützt und gesteuert. 7) Oft wird die Rolle etwa des höheren katholischen Klerus in Amerika und Europa im Bezug auf heutige außereuropäische Migrantenströme übersehen. Das Verhalten der Kirche steht ohnehin völlig im Einklang mit der christlichen Ökumene, bzw. dem christlichen Universalismus. Der Papst plädierte im Januar dieses Jahres nochmals für die Aufnahme der außereuropäischen Migranten mit den Worten: „Christen sollten den Migranten die Liebe Gottes, die von Jesus Christus offenbart wurde, zeigen, weil dies die Christen der Einheit, die Gottes Wille für uns ist, noch näher bringt“. 8)

Um die Wurzeln dieses Bevölkerungsaustauschs und seiner Auswirkungen zu beseitigen, müssen wir demzufolge zunächst kritisch mit den Gleichheitslehren auseinandersetzen. Was wir jetzt im Westen beobachten, ist die endgültige und logische Folge der egalitären und universalen Lehre, die das Christentum seit zweitausend Jahren predigt. Die Lehre von der Gleichheit aller Menschen taucht heute freilich als Metastase in der Ideologie des Liberalismus, des Kommunismus und seiner verschiedenen egalitären und globalistischen Sekten, wie z.B. des Antifaschismus, auf. Sie alle predigen das Ende der Geschichte in einer großen multikulturellen und transsexuellen Umarmung.

Die einzige Waffe, sich gegen den heutigen Völkeraustausch zu wehren, liegt in der Wiedererweckung unseres biologisch-kulturellen Bewußtseins. Ansonsten werden wir weiterhin nur die hohlen Floskeln der christlichen, liberalen oder kommunistischen Multikulti-Ideologie wiederkäuen. So richtig es ist, die Antifa oder den Finanzkapitalismus anzuprangern, dürfen wir nicht vergessen, daß die christlichen Kirchen die eifrigsten Boten des großen Bevölkerungsaustauschs sind.

 

Fußnoten:

1) T. Sunić, “Historical Dynamics of Liberalism: From Total Market to Total State”, Journal of Social, Political & Economic Studies (Winter 1988, vol. 13 No. 4).

2) Alain de Benoist, “Immigration: The Reserve Army of Capital” (übersetzt von T. Sunić), The Occidental Observer, April 2011.

3) Prof. Dr. Hans-Helmuth Knütter, „Ein Gespenst geht um in Deutschland Deutschland driftet nach links!“ (Hamburg: Die Deutschen Konservativen, 2008).

4) Siehe auch FAZ, „Verantwortung für die Shoa ist Teil der deutschen Identität“, 2. Februar 2005.

5) F. Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen (1893 Berlin: Herausgegeben von Karl-Maria Guth, 2016), S. 71.

6) Cf. Werner Sombart, Der Bourgeois, cf. „Die heilige Wirtschaftlichkeit“; (München und Leipzig: Verlag von Duncker and Humblot, 1923), 137-160.

7) Cf. T. Sunić, “Non-White Migrants and the Catholic Church: The Politics of Penitence”, The Occidental Observer, April, 2017.

8) Catholic News Agency, „Papst Franziskus: Migranten willkommen zu heißen, kann Christen vereinen“, 22. Januar 2020.

 

Erstmals veröffentlicht in Volk und Bewegung, 2-2020


Über den Autor:

Tomislav Sunić (geb. 3. Februar 1953 in Agram) ist ein kroatischer Publizist und Übersetzer, ehemaliger Diplomat und Professor sowie aktiver Politiker in den Vereinigten Staaten von Amerika. Er ist einer der profiliertesten Vorkämpfer für die Interessen der Völker von Magna Europa.

Sunić ist Autor zahlreicher Bücher, die in verschiedenen Sprachen erschienen sind.